© UNICEF/UNI975334/ShahanAuswirkungen des Konflikts im Nahen Osten: Sham (5) hält Erdnusspaste in den Händen.
Gut zu wissen

Diese weitreichenden humanitären Folgen hat die Eskalation im Nahen Osten

Die Gewalt im Nahen Osten ist in den letzten Wochen eskaliert mit verheerenden Folgen für die Kinder in der Region. Auch in Deutschland spüren wir die Auswirkungen etwa wirtschaftlicher Art, zum Beispiel die gestiegenen Spritpreise. Doch vielen Menschen ist nicht bewusst, dass der Konflikt globale Folgen für die humanitäre Lage von Kindern hat, wie etwa in Somalia oder Myanmar. In diesem Blog erklären wir, welche Auswirkungen der Krieg für Kinder weltweit hat und wie UNICEF hilft. 

Welche Folgen hat der Krieg in Nahost für Kinder weltweit?

Worum geht es im aktuellen Konflikt im Nahen Osten?

Im Nahen Osten kommt es seit Jahrzehnten immer wieder zur Eskalation von Gewalt. Der aktuelle Konflikt betrifft vor allem Israel, den Iran sowie den Libanon. Aber auch in Nachbarstaaten zum Beispiel in Kuwait oder Bahrain gab es Angriffe.

Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten: Fatima (2) musste fliehen.

März 2026: Hunderttausende Menschen im Libanon sind auf der Flucht und suchen in öffentlichen Gebäuden Schutz. Die zweijährige Fatima ist vorerst in der Omar-Faroukh-Schule in Beirut untergekommen. Mit Fatima halten sich dort Hunderte andere Binnenvertriebene auf.

© UNICEF/UNI964788/Choufany

Die Gewalt hat Kinder im Iran, im Libanon, in Palästina, in Israel und in den Golfstaaten in große Gefahr gebracht. Aus dem Libanon und dem Iran sind viele Familien in Nachbarländer wie Syrien und Afghanistan geflohen beziehungsweise zurückgekehrt. Der Krieg setzt Kinder unvorstellbarer Gewalt, Angst und Vertreibung aus. Die schweren Angriffe haben die humanitäre Lage der Kinder in der Region verschärft, insbesondere im Libanon. Zudem zeichnen sich Folgen des Konflikts für Kinder und Familien weit über die Region hinaus ab.

UNICEF beobachtet mit großer Sorge, dass Kinder im aktuellen Konflikt erneut den höchsten Preis zahlen: Sie verlieren den Zugang zu Wasser, Nahrung, medizinischer Versorgung und Sicherheit.

Aktuelle Lage der Kinder im Nahen Osten, zum Beispiel im Iran, Libanon oder im Gazastreifen

Luftangriffe auf Teheran Anfang März 2026.

Dieses Bild zeigt die Luftangriffe auf Teheran Anfang März 2026.

© ATTA KENARE/AFP

Kinder werden bei Angriffen getötet

Der Konflikt im Nahen Osten stellt für Millionen Kinder eine große Bedrohung dar. Seit dem 02. März wurden mehr als 3.000 Kinder verletzt oder getötet (Stand: 28. April 2026). Das Leben der Kinder in der Region wurde durch den Krieg ins Chaos gestürzt. Kinder verlieren Angehörige. Sie haben Angst und sind verzweifelt. Hunderttausende Menschen mussten fliehen. Allein im Iran wurden seit Beginn des Konflikts Berichten zufolge über 200 Kinder getötet. Im Libanon wurden durch die Gewalt über 800 Kinder getötet oder verletzt (Stand: 28. April 2026).

Kinder Libanon: Ahmad wird im Rafic‑Hariri‑Krankenhaus in Beirut behandelt.

Der zehn Monate alte Ahmad wird im Rafic‑Hariri‑Krankenhaus behandelt, nachdem er bei einem Luftangriff am 8. April 2026 in Beirut verletzt wurde.

© UNICEF/UNI975503/Choufany

Auch in den Golfstaaten und in Israel sind Kinder bei Angriffen ums Leben gekommen.

Mehr als zwei Monate nach Beginn der Eskalation im Nahen Osten bleibt die Situation für Kinder in der Region verheerend. Kinder tragen keine Verantwortung für die Gewalt – und doch leiden sie am stärksten darunter. Auch Rahaf (5) wünscht sich Frieden und Sicherheit.

© UNICEF

Die Bombeneinschläge waren so stark. Ich mag es gar nicht, hier in der Notunterkunft zu sein. Wir kamen, weil es zu Hause nicht mehr sicher war. Aber ich möchte nach Hause und in meinem Bett schlafen, mit meinem Spielzeug spielen. 

Rahaf (5), März 2026, Libanon.

Derzeit gelten für die verschiedenen Konflikte in der Region Nahost Waffenruhen (Stand 28. April 2026). Gleichwohl erhalten wir von UNICEF Berichte, dass es trotz offizieller Waffenruhe immer wieder zu Angriffen kommt und bei diesen mitunter auch Kinder betroffen sind, etwa im Gazastreifen oder im Libanon. Die Waffenruhen müssen eingehalten und alle Kinder geschützt werden!

Hunger sowie der Mangel an Wasser und Hilfsmitteln gefährden besonders Kinder

Durch den aktuellen Konflikt im Nahen Osten verschärft sich die humanitäre Lage vieler Kinder vor Ort. Dabei sind die Länder in der Region in unterschiedlicher Weise betroffen. Im Libanon etwa leiden viele Kinder unter humanitären Folgen der Gewalt. Mehr als eine Million Menschen mussten aus ihrem Zuhause fliehen – darunter rund 415.000 Kinder (Stand: 28. April 2026). Schulen werden oft zu Notunterkünften umfunktioniert und bleiben geschlossen. Die Notunterkünfte sind überfüllt. Zudem fehlt es an einfachen Gütern wie Wasser, Matratzen oder Decken.

Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten: Zeinab (12) sitzt in einer Notunterkunft.

Zeinab (12) sitzt in einer Schule, die zu einer Notunterkunft umfunktioniert wurde. UNICEF verteilt hier Hilfsgüter, wie Decken, sauberes Wasser und Hygieneprodukte.

© UNICEF/UNI954889/Choufany

In Gaza ringen Kinder weiter um Sicherheit und ums Überleben. Zahlreiche Kinder und ihre Familien sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Kinder mussten Entsetzliches durchmachen und haben Dinge erlebt, die kein Kind, kein Mensch jemals erleben sollte. Der Küstenstreifen ist durch den Krieg weitgehend zerstört. Überlebenswichtige Hilfsgüter kommen nicht in ausreichender Menge bei den Kindern und Familien an und verschlechtern die ohnehin dramatische Lage. Durch den aktuellen Konflikt in der Region wird die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit teilweise von Gaza abgelenkt. Das darf nicht dazu führen, dass die Kinder und Familien dort weniger Hilfe erfahren.

Kinder in der gesamten Region brauchen Schutz und Sicherheit. Sie brauchen genug zu essen, sauberes Wasser, medizinische Hilfe und die Chance, zur Schule zu gehen. Doch vor allem brauchen sie einen nachhaltigen Frieden.

Vertreibung und Flucht haben weitreichende Folgen für die Länder im Nahen Osten

Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten gefährdet Kinder in der gesamten Region. Im Libanon und im Iran sind innerhalb des Landes zahlreiche Menschen auf der Flucht. Viele Menschen fliehen auch nach Syrien und Afghanistan.

Auswirkungen in Syrien

Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten: Familien fliehen aus dem Libanon nach Syrien.

Syrische und libanesische Familien warten nach ihrer Ankunft aus dem Libanon am Eingang einer syrischen Einreisebehörde an der Grenze.

© UNICEF/UNI960777/

Allein zwischen dem 2. und 18. März sind rund 140.000 Menschen aus dem Libanon nach Syrien geflohen. Sie sind auf der verzweifelten Suche nach Sicherheit. Viele Familien mussten alles zurücklassen. Zu den dringendsten Bedürfnissen zählen etwa Nahrungsmittel, Kleidung sowie Wasser- und Hygienegüter. Der Bedarf entsteht zusätzlich zu der ohnehin dringend benötigten humanitären Hilfe in Syrien. Denn nach fast 14 Jahren Krieg ist die humanitäre Lage in Syrien noch immer dramatisch.

Viele Kinder in Syrien leben in Armut und mit der ständigen Ungewissheit, wie es weitergeht. Der lange Krieg hat Infrastruktur zerstört. Viele Kinder haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, gesunder Ernährung oder medizinischer Hilfe und Lernmöglichkeiten. Syrien steht beispielhaft dafür, dass ein Krieg nicht endet, wenn die Waffen schweigen. Die Spuren sind allgegenwärtig – in zerstörten Häusern, in den Erinnerungen der Menschen und in den gefährlichen Überresten der Kämpfe, etwa in Form von Minen.

UNICEF hat seine Hilfsangebote für Kinder und Familien in Syrien angesichts der Situation ausgeweitet.

Auswirkungen in Afghanistan

Ein ähnliches Szenario ist an der Grenze zu Afghanistan vorzufinden. Tausende afghanische Kinder und ihre Familien, die zuvor auf der Suche nach Sicherheit aus Afghanistan in den Iran geflohen waren, kehren nun aus dem Iran nach Afghanistan zurück. Sie wurden erneut vertrieben und sind erschöpft, voller Sorge vor dem, was sie nach der Rückkehr erwartet.

Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten: Familien fliehen aus dem Iran nach Afghanistan.

Familien fliehen aus dem Iran nach Afghanistan und erreichen den Grenzübergang Islam Qala. Hier wurden UNICEF-Zelte als vorübergehende Unterkunft eingerichtet.

© UNICEF/UNI959323/Fazel

Die humanitäre Lage vieler Familien in Afghanistan ist dramatisch. Bereits jetzt sind elf Millionen Kinder auf humanitäre Hilfe angewiesen. Viele Familien brauchen sauberes Wasser, Essen und grundlegende Güter.

Doch der Konflikt in Nahost hat Lieferketten unterbrochen: Lebenswichtige Hilfsgüter drohen verspätet anzukommen, darunter auch therapeutische Spezialnahrung für mangelernährte Kinder. Um auch die Menschen, die nun aus dem Iran nach Afghanistan kommen, unterstützen zu können, braucht es verstärkte humanitäre Hilfsangebote.

Wir von UNICEF und unsere Partner leisten täglich lebensrettende Hilfe – und sind darauf vorbereitet, sie bei Bedarf weiter auszuweiten. So werden Kinder mit Mangelernährung frühzeitig behandelt, Familien erhalten Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Versorgung.

Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten: Syan (15) und UNICEF-Mitarbeiterin Fathia Omar Hassan.

UNICEF-Mitarbeiterin Fathia Omar Hassan (links) steht im Registrierungszentrum an einem Grenzübergang zum Iran neben der 15-jährigen Syan, die gerade mit ihrer Familie aus dem Iran nach Afghanistan zurückgekehrt ist.

© UNICEF/UNI959313/Fazel

Psychische Folgen für Kinder im Nahen Osten

Viele Kinder im Nahen Osten erleben Gewalt, Flucht und den Verlust vertrauter Menschen. Sie leben im Krieg oder in der ständigen Unsicherheit einer Eskalation. Bereits in jungen Jahren erleben sie Schmerz, Ungewissheit und Angst in einem Ausmaß, das unvorstellbar ist und das kein Kind je erleben sollte. Diese Erfahrungen hinterlassen tiefe seelische Spuren. Umso wichtiger ist es, Kindern Schutz und psychosoziale Unterstützung zu bieten – damit sie neuen Halt und Zuversicht finden können.

Zerstörte Schulen und unterbrochene Bildung durch den anhaltenden Konflikt

Viele Schulen im Nahen Osten wurden durch Angriffe beschädigt oder vollständig zerstört. Oft dienen Schulen als Notunterkünfte. Für Kinder bedeutet das nicht nur, dass sie Unterricht verpassen – mit den geschlossenen Schulen verschwindet auch ein Ort der Sicherheit und Normalität. Bildung gibt Hoffnung und Stabilität, gerade in Zeiten von Krieg und Unsicherheit.

Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten: Ahlam (9) in ihrer zerstörten Schule.

Ahlam (9) in ihrer zerstörten Schule. Durch die gewaltsame Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah Ende 2024 mussten Ahlam und ihre Familie fliehen. „Ich dachte, die Schule wäre nur ein bisschen beschädigt, aber jetzt sehe ich, dass sie komplett zerstört ist – genau wie alles um sie herum. Ich habe Angst, dass der Krieg wieder beginnt,“ sagte Ahlam 2024.

© UNICEF/UNI753023/Ibarra Sánchez

Ahlam (9) aus dem Libanon schilderte schon 2024 ihre Angst vor erneuten Angriffen. Tatsächlich startete die Gewalt im März 2026 erneut. Die wiederholten Eskalationen sorgen dafür, dass die Bildung der Kinder in der Region immer wieder unterbrochen wird. Kinder im Nahen Osten brauchen jetzt dringend Unterstützung. Es ist nicht ihr Krieg. Aber ihr Leben. Trotz der schwierigen Umstände sind wir von UNICEF weiter vor Ort und haben unsere Hilfe ausgeweitet.

Ihre Spende hilft Kindern in Not im Nahen Osten

Wenn auch Sie Kinder wie Ahlam unterstützen möchten, können Sie mit Ihrer Spende viel bewirken. Jeder Beitrag zählt. Ihre Unterstützung fließt in die Nothilfe für Kinder im Nahen Osten und erreicht die Kinder und Familien, die sie am dringendsten brauchen.

Globale Auswirkungen der Eskalation im Nahen Osten

Schon zu Beginn der erneuten Eskalation im Nahen Osten im März 2026 warnten Hilfsorganisationen vor den möglichen Folgen für Menschen weltweit, denn der Krieg betrifft nicht nur die Menschen vor Ort oder in den Nachbarländern. In Deutschland spüren wir die gestiegenen Preise etwa beim Tanken. Aber auch die Menschen in anderen Teilen der Welt sind von dem Konflikt betroffen. Besonders erschüttert wird das Leben von Kindern und Familien, die bereits in einem ohnehin unsicheren Umfeld leben.

Konkret geht es um Familien etwa in Afghanistan, Palästina, Somalia, Äthiopien oder Myanmar. Sie sind aufgrund verschiedener Faktoren, wie Kriegen und Konflikten, Naturkatastrophen oder durch die Klimakrise dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Wir von UNICEF rechnen damit, dass der Konflikt in Nahost zu Unterbrechungen bei Beschaffung, Produktion und Transport von verschiedenen Gütern führen kann. Das hat die Folge, dass dringend benötigte Hilfsgüter viele Länder weltweit erst mit Verzögerungen von bis zu sechs Monaten erreichen könnten.

Steigende weltweite Ölpreise könnten die Herstellung und den Transport wichtiger Güter wie Impfstoffe oder Spezialnahrung weiter verteuern. Hinzu kommen logistische Probleme: Überlastete Häfen und längere Schifffahrtsrouten führen dazu, dass Lieferungen mitunter bis zu vier Wochen länger unterwegs sind.

Auswirkungen für Kinder am Horn von Afrika, etwa in Somalia, Kenia oder Äthiopien

In den Jahren 2022 und 2023 blieben vier Regenzeiten in Folge aus und es kam zu einer Dürre. Nun droht am Horn von Afrika eine neue Krise. In Somalia, im Osten Kenias, im südlichen Äthiopien, in Dschibuti und Eritrea fiel erneut zum zweiten beziehungsweise dritten Mal die Regenzeit aus. In weiten Gebieten regnete es weniger als 60 Prozent der sonst üblichen Regenmenge. Die Dürre, die durch das Wetterphänomen La Niña verstärkt wird, lässt Wasserquellen austrocknen, Tiere sterben und Ernten schrumpfen. Millionen Kinder und Familien haben nicht genug zu essen und leiden Hunger. Zehntausende Menschen wurden bereits vertrieben und suchen einen neuen Ort zum Überleben. Sollte auch die nächste Regenzeit schwach sein, werden noch mehr Menschen betroffen sein.

Bereits vor der jüngsten Eskalation in Nahost waren rund drei Millionen Kinder in Somalia dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Eine Dürre infolge ausbleibender Regenfälle verschärft die Ernährungssituation in Somalia enorm. Zudem bringen regionale Konflikte und globale Mittelkürzungen die Kinder in Gefahr. Die steigenden Treibstoffkosten und Lieferunterbrechungen infolge des Krieges im Nahen Osten drohen die Lage der Kinder in Somalia nun weiter zu verschärfen.

In dürrebetroffenen Regionen haben sich die Wasserkosten bereits mehr als verdoppelt: Wasser wird immer knapper und Treibstoff für die Lieferung wird unbezahlbar.

Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten: Mutter und Kind in einem Gesundheitszentrum in Somalia.

Baby Mumtaz bekommt in einem von UNICEF unterstützten Krankenhaus in Mogadischu wichtige Impfungen. Noch immer gibt es Polioausbrüche in Somalia. Mumtaz‘ Mutter ist froh, dass ihr Kind die benötigte medizinische Versorgung erhalten konnte.

© UNICEF/UNI967373/Tesfaye

Die steigenden Transportkosten betreffen nicht nur Lebensmittel oder Wasser, sondern auch Impfstoffe. Somalia ist stark auf Importe angewiesen. Deshalb steigen die Preise rasant.

UNICEF-Hilfsgüter sind bereits auf dem Weg nach Somalia oder werden für den Transport vorbereitet – darunter therapeutische Nahrung zur Behandlung mangelernährter Kinder, Impfstoffe sowie Moskitonetze zum Schutz vor Malaria. Sollte sich die Lage im Nahen Osten nicht beruhigen, drohen Verzögerungen und zusätzliche Kosten für diese Lieferungen.

In Kenia treffen verschiedene Klimaschocks, wie Dürre oder Überschwemmungen die Familien hart. In vielen Regionen gibt es dadurch nicht genug zu essen und zu trinken. Gleichzeitig breiten sich Krankheiten wie Cholera oder Mpox aus. Besonders Kinder in ländlichen Regionen sind für die Gesundheitshelfer*innen teils schwer erreichbar. Zudem beeinflussen globale Mittelkürzungen die Gesundheits- und Nahrungsmittelversorgung.

In Kenia sind derzeit über 3,7 Millionen Menschen durch ihre Ernährungssituation vom Tod bedroht (IPC 3* und höher). Es wird jedoch befürchtet, dass sich die Zahl in den kommenden Monaten auf schätzungsweise 4,1 Millionen erhöhen könnte. Besonders dramatisch ist die Lage im Norden und Osten des Landes. Viele Familien sind daher auf humanitäre Hilfe angewiesen.

*IPC steht für "Integrated Food Security Phase Classification". Expert*innen analysieren die Ernährungssituation in Ländern und Regionen und ordnen sie in Klassen ein. Sie möchten mehr erfahren? In diesem Artikel erklären wir die IPC und auch Begriffe wie "Hungersnot" genauer.

Nicht nur Somalia und Kenia, auch andere Länder in Ostafrika, wie Äthiopien, Dschibuti oder Eritrea, sind von den weitreichenden Folgen des Konflikts in Nahost betroffen. Auch diese Länder sind unter anderem bereits von den globalen Mittelkürzungen für humanitäre Hilfe und der Klimakrise erschüttert. Dürren oder extreme Regenfälle wirken sich drastisch auf das Leben der Kinder und ihrer Familien vor Ort aus. In einigen Regionen sind auch bewaffnete Konflikte ein großes Problem für das sichere Aufwachsen von Kindern. Die Krisen summieren sich.

Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten: Mussab (4) wird von einer Ärztin untersucht.

Der kleine Mussab (4) wird von einer Ärztin in einem von UNICEF unterstützten Gesundheitszentrum in Äthiopien untersucht. Er leidet an Mangelernährung. Da die Familie aufgrund von Dürre ihre Tiere verloren hat, haben seine Eltern kaum noch Möglichkeiten, genügend Essen für ihre Kinder auf den Tisch zu bringen.

© UNICEF/UNI818586/Pouget

Eva Kadilli, UNICEF-Regionaldirektorin für Süd- und Ostafrika, berichtet: „Die Krise hat verheerende Auswirkungen, insbesondere auf die am stärksten gefährdeten Länder.“

Post Eva Kadilli, UNICEF-Regionaldirektorin für Süd- und Ostafrika

Zum Post von Eva Kadilli, UNICEF-Regionaldirektorin für Süd- und Ostafrika, gelangen Sie hier (in englischer Sprache).

© Eva Kadilli, UNICEF-Regionaldirektorin für Süd- und Ostafrika

Der Krieg in Nahost wirkt sich in vielfältiger Weise auf die Länder des östlichen Afrikas aus. Die Kosten für den Transport von Lebensmitteln, Medikamenten, Wasser steigen enorm. Jede Verzögerung bei humanitären Hilfsleistungen bedeutet eine zusätzliche Belastung für schutzbedürftige Familien.

Auswirkungen der Eskalation sind auch für Kinder in Asien zu spüren

Die Folgen der jüngsten Eskalation im Nahen Osten treffen auch Kinder in Asien. Steigende Energiepreise und Engpässe, die durch die Blockade der Straße von Hormus ausgelöst wurden, verschärfen die wirtschaftliche Lage vieler Länder. Familien zahlen mehr für Nahrungsmittel und Treibstoff – besonders in Regionen, die bereits unter Konflikten oder Armut leiden, so auch in Asien. Länder wie etwa Myanmar und Bangladesch sind verschiedenen Krisen ausgesetzt.

Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten: Yati (13) in Mandalay, Myanmar.

Yati (13) sitzt vor der temporären Unterkunft ihrer Familie in Mandalay, Myanmar. Ein Jahr nach dem Erdbeben erholt sie sich noch immer von einer Verletzung am Bein. 

© UNICEF/UNI960417/Htet

Am 28. März jährte sich das verheerende Erdbeben der Stärke 7,7 in Myanmar. Es traf ein Land, das bereits von Konflikten, Vertreibung und einer fragilen humanitären Lage gezeichnet war – und stürzte viele Familien in noch größere Not. Ein Jahr später kehrt langsam Hoffnung zurück: Kinder können wieder lernen, sauberes Wasser ist wieder für mehr Familien zugänglich, und Gesundheits- sowie Schutzangebote geben neuen Halt.

Doch die Situation bleibt angespannt. In vielen Regionen bedrohen anhaltende Gewalt, Vertreibung und Klimaschocks das, was mühsam wiederaufgebaut wird. Familien wie die von Yati leben noch immer in Notunterkünften. Hinzu kommen nun die gestiegenen Preise im Alltag und die Verzögerungen bei der Lieferung lebensnotwendiger Güter. Berichten zufolge wurden der Zugang zu Treibstoff und die Transportmöglichkeiten in Myanmar bereits eingeschränkt. Kinder und ihre Familien spüren die Auswirkungen des Kriegs im Nahen Osten.

Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten: Familien in einem von UNICEF unterstützten Gesundheitszentrum.

Familien in einem von UNICEF unterstützten Gesundheitszentrum bei einer Untersuchung. Viele sind auf humanitäre Hilfe wie diese Gesundheitsversorgung angewiesen.

© UNICEF/UNI960378/Oo

Eskalation im Nahen Osten verschärft Hungerkrisen weltweit

Steigende Energiepreise und Inflation sind weltweit spürbar. Diese Entwicklungen sorgen auch für eine Verschärfung der globalen Ernährungskrise.

Unterbrochene Handelsrouten, gestiegene Energiepreise und Unsicherheiten auf den Weltmärkten treffen besonders jene Länder hart, die aufgrund unterschiedlicher Faktoren ohnehin mit Hunger und Armut kämpfen. Viele von ihnen sind auf Importe angewiesen – etwa von Getreide oder Düngemitteln.

Die Produktion und der Transport von Düngemitteln sind derzeit erschwert. Mengen an Dünger stecken wegen der Situation an der Straße von Hormus beim Transport fest. Selbst wenn die Route wieder frei ist, hat das langfristige Folgen für die Landwirtschaft und die Ernährung weltweit: Ernteausfälle drohen, Erträge gehen zurück. Das treibt die Preise in die Höhe und lässt immer mehr Familien an ihre Grenzen stoßen – viele können sich selbst Grundnahrungsmittel kaum noch leisten.

Für Millionen Kinder weltweit wird das Risiko von Mangelernährung erneut größer. Fehlende Regenfälle am Horn von Afrika haben dafür gesorgt, dass Nutztiere gestorben und Ernten ausgeblieben sind, was zu einer enormen Ernährungsunsicherheit führt. Hinzu kommen nun teurere Importkosten. Bis Ende des Jahres könnten allein in Somalia knapp zwei Millionen Kinder unter akuter Mangelernährung leiden.

Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten: Habiba und ihre Kinder in Somalia.

Habiba und ihre Kinder in einem von UNICEF unterstützten Gesundheitszentrum. Es dauerte sieben Tage, bis Habiba das Zentrum erreichte, wo ihre Kinder gegen Mangelernährung behandelt werden. Ihre Tiere sind aufgrund der Klimakrise in Somalia gestorben.

© UNICEF/UNI967431/Tesfaye

Menschen wie Habiba sind aufgrund der Klimakrise auf humanitäre Hilfe angewiesen. Habiba ist stark, sie ist sieben Tage gelaufen, um ihre Kinder am Leben zu halten. Jetzt bekommt sie Hilfe in einer von UNICEF unterstützten Gesundheitsstation. Doch auch Stationen wie diese brauchen die Lieferungen der therapeutischen Nahrung, um Müttern wie Habiba weiterzuhelfen und sind von globalen Lieferketten abhängig.

In Somalia, Kenia und Äthiopien sind geschätzt 20 bis 25 Millionen Menschen von hoher Nahrungsmittelunsicherheit betroffen und es wird erwartet, dass sich die Situation weiter verschlechtert, falls in der aktuellen Regenzeit erneut zu wenig Regen fällt. Kinder, die dadurch auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, geraten durch gestiegene Transportkosten und gestörte Lieferketten zunehmend in Gefahr.

In Ländern wie dem Sudan sind nach drei Jahren Krieg zahlreiche Menschen dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. In einigen Regionen wurde eine Hungersnot festgestellt. Steigende Treibstoffkosten und Lieferunterbrechungen wirken sich auch hier drastisch auf das Leben und Überleben der Menschen aus.

Konflikt im Nahen Osten treibt Menschen in die Armut

Die anhaltende Gewalt im Nahen Osten droht zudem, weltweit die Armut zu verschärfen. Laut einem aktuellen Bericht des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) drohen den betroffenen Ländern wirtschaftliche Verluste von weit mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Damit drohen Millionen Menschen in der Region zusätzlich in Armut zu geraten.

Dabei spüren die Golfregion, Nachbarländer und Handelspartner die steigenden Preise, die auch Auswirkungen auf die weltweite Armutsbekämpfung haben. Denn wie oben beschrieben, gefährden die steigenden Preise auch Menschen in Ländern, die weit entfernt von der Konfliktregion liegen: Viele Familien könnten infolge des Krieges in Armut geraten oder Gefahr laufen, sich lebensnotwendige Güter nicht mehr leisten zu können.

UNICEF warnt: Jeder neue Konflikt, jede zerstörte Schule, jedes fehlende Einkommen trifft Kinder am härtesten. Armut ist nie nur eine Zahl – hinter ihr stehen Menschenleben, sie bedeutet Hunger, fehlende Bildung und verlorene Möglichkeiten.

Humanitäre Hilfe steht vor Herausforderungen und geht dennoch weiter

Weltweit sind mehr Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Krisen überlagern sich, Kriege und Konflikte dauern länger an, und die Auswirkungen der Klimakrise treffen besonders Kinder und Familien in ohnehin prekären Lebenslagen. Gleichzeitig wird es für Hilfsorganisationen immer schwieriger, die notwendige Unterstützung zu leisten. Die Herausforderungen sind vielfältig:

  • Der weltweite Rückgang von Geldern für humanitäre Hilfe setzt Hilfsorganisationen zunehmend unter Druck. Oft fehlt es an notwendigen Hilfsgütern, die das Überleben von Kindern sicherstellen.

  • Immer mehr Krisen gleichzeitig – bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Klimaschocks wie Dürren – erhöhen den Bedarf an Unterstützung weltweit.

  • Klimakrise und Extremwetter zerstören Lebensgrundlagen und erzwingen neue Fluchtbewegungen.

  • Zunehmende Sicherheitsrisiken für humanitäre Hilfe vor Ort erschweren den Zugang zu den betroffenen Menschen. Vermehrt werden humanitäre Hilfskonvois oder Helfer*innen bei Angriffen getroffen.

  • Gestörte Lieferketten führen zu Engpässen bei wichtigen Hilfsgütern und zu steigenden Produktionskosten, wie durch die Krise in Nahost spürbar.

  • Stark gestiegene Lebenshaltungs- und Transportkosten belasten Hilfsbudgets zusätzlich.

Die Herausforderungen sind vielfältig. Dabei wird humanitäre Hilfe zunehmend benötigt.

Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten: Eine UNICEF-Mitarbeiterin bei der Arbeit.

Eine UNICEF-Mitarbeiterin lacht mit einem Kind.

© UNICEF/UNI554800/Keïta

So hilft UNICEF Kindern vor Ort – trotz schwieriger Lage

Trotz der schwierigen Situationen sind UNICEF-Teams unermüdlich im Einsatz für Kinder. UNICEF setzt sich seit Jahrzehnten für Kinder im Nahen Osten und in anderen Regionen der Welt ein. Durch diese langjährige Erfahrung konnten wir von UNICEF das Vertrauen der Menschen in den Gemeinschaften stärken und die Zusammenarbeit weiter festigen.

Wir arbeiten dabei eng mit Partnern vor Ort zusammen und unterstützen – in Zusammenarbeit unter anderem mit Städten und Gemeinden, nationalen Partnerorganisationen, Krankenhäusern und Schulen – Kinder und Familien weltweit. So können wir direkt auf die Bedürfnisse der Kinder vor Ort eingehen.

UNICEF verfügt über ein globales eingespieltes Logistiknetz mit großen Drehkreuzen in Kopenhagen und Dubai. Wo es nötig ist, organisieren die Teams schnell alternative Transportwege, damit Hilfsgüter sicher ihr Ziel erreichen.

Wir stellen vorhandene medizinische Hilfsgüter aus unseren Lagerbeständen in den betroffenen Ländern bereit – darunter mobile Gesundheitseinheiten, Zelte und Medikamente.

Darüber hinaus weitet UNICEF zusammen mit lokalen Partnern psychosoziale Hilfsangebote aus, insbesondere in Regionen, die besonders von Krisen und Katastrophen betroffen sind. Parallel dazu hilft UNICEF bei der Wasser- und Sanitärversorgung sowie bei der Lieferung therapeutischer Nahrung.

UNICEF bleibt weltweit an der Seite der Kinder. UNICEF-Teams arbeiten unermüdlich daran Kinder und ihre Familien zu unterstützen.

Auch Sie können gemeinsam mit uns etwas bewirken und Kindern weltweit Hoffnung schenken. Gemeinsam können wir Kinder vor den Folgen von Krisen wie aktuell dem Konflikt im Nahen Osten schützen. Ihre Spende fließt in die Nothilfe weltweit und kommt immer bei den Kindern und Familien an, die gerade am dringendsten Hilfe brauchen. Vielen Dank für Ihr Engagement!

Ihre Spende für die weltweite UNICEF-Nothilfe

Unterstützen Sie die schnelle Nothilfe für Kinder in Kriegsgebieten oder nach Naturkatastrophen. Dank Ihres Beitrags stehen UNICEF-Teams Kindern in rund 190 Ländern jederzeit zur Seite.

Autor*in Lilian Sekkai

Lilian Sekkai arbeitet im Presseteam und schreibt über UNICEF-Themen und Kinder weltweit.