
Eine echte Innovation: Dieses Zelt trotzt Hurrikans und Hitze
Einen sicheren Ort für sich und die Familie finden: Das ist das oberste Ziel von Menschen, die vor Konflikten, den Folgen von Naturkatastrophen oder Epidemien fliehen müssen. Zelte sind dann eine schnelle, praktische und gute Übergangslösung und kommen oft zum Einsatz. Deshalb haben wir sie jetzt noch besser gemacht!
von Laura Sandgathe und Sandra Redegeld
Sie dienen als Klassenräume, Krankenhäuser, Ernährungszentren oder Orte zum Spielen für die Kinder: Bei einem Nothilfeeinsatz gehören Zelte zu den ersten und wichtigsten Hilfsgütern, die wir von UNICEF bereitstellen.
Die bisherigen Zelte haben dafür lange Jahre gute Dienste getan. Aber angesichts neuer Herausforderungen wie dem Klimawandel oder langwieriger Nothilfeeinsätze wurden bessere, innovative Zelte dringend notwendig. Zum Beispiel im Sudan oder in Gaza, wo Kinder teils über Jahre in Zelten leben und unterrichtet werden.
Wieso stabile Zelte wichtig sind
Da sind zum Beispiel extreme Wetterphänomene wie Stürme oder Starkregen, die buchstäblich an den Zelten rütteln. Zudem waren die bisherigen Zelte nicht ausreichend klimatisiert und in ihnen war es teils unerträglich heiß oder eisig kalt. Keine guten Voraussetzungen, etwa wenn sich hier Kinder auf den Unterricht konzentrieren sollen.
Eine Lösung musste her. Weil der Markt nichts Passendes hergab, nahmen wir von UNICEF die Sache selbst in die Hand. Das Ergebnis sind innovative Hochleistungszelte, die wir in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Privatwirtschaft entwickelt haben.
So geht Innovation bei UNICEF
Was sollten die neuen Zelte können? Das war die Ausgangsfrage. Ein Expertenteam sammelte über 1.000 Anforderungen, darunter Widerstandsfähigkeit auch bei extremem Wetter, eine bessere Klimatisierung, direkte Stromversorgung im Zelt und mehr Platz im Inneren. Besser aufzubauen und zu transportieren sollten die neuen Zelte idealerweise auch sein.

Nach schweren Erdbeben in Myanmar im März 2025 haben UNICEF-Helfer*innen dank Spenden innerhalb von wenigen Tagen sichere Lernräume – wie in einem der Zelte – aufbauen können. Damit Kinder nicht nur Schutz finden, sondern auch trotz der Katastrophe weiter zur Schule gehen können.
© UNICEF/UNI933897/OoIn einem zweiten Schritt traf sich unser Team mit Partnern aus der Industrie. Gemeinsam mit den Designern und Herstellern ging es nun darum, eine Lösung zu finden, die all unseren Anforderungen gerecht werden würde. 1.000 Anforderungen – unsere Liste war lang, keine Frage. Wir gingen die Herausforderung gemeinsam an.
Tests im Windkanal und in der Praxis
Mehrere Prototypen wurden entwickelt, getestet, überarbeitet, wieder getestet und manchmal auch verworfen. Eine besondere Herausforderung war es, die neuen Zelte widerstandsfähig gegen Stürme zu machen. Im Jules Verne Windkanal im französischen Nantes ließen wir Winde von der Stärke eines Hurrikans die Prototypen durchpusten. Zusätzlich wurden Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes simuliert.
Nach und nach wurde die Windstärke im Test erhöht. Dann folgte der Test im Einsatzgebiet: Zusammen mit den Herstellern nahmen wir die Zelt-Protoypen mit in unsere Projektländer. Dort wollten wir herausfinden, wie sie unter verschiedenen klimatischen Bedingungen funktionierten. Wir testeten sie im heißen und trockenen Klima in Uganda, im feuchten Klima auf den Philippinen und in der Kälte Afghanistans.
Ein mobiles Gesundheitszentrum im Hochleistungszelt
Schließlich war es so weit: Wir hatten ein fertiges Produkt! Mittlerweile kommen die neuen Hochleistungszelte in vielen Ländern weltweit zum Einsatz. So auch in Gaza. In diesem Video sehen Sie, wie dort ein Gesundheitszentrum entsteht:
Das kann das neue Hochleistungs-Zelt
Das neue UNICEF-Nothilfe-Zelt bietet eine ganze Reihe von Verbesserungen gegenüber den Zelten, die wir bislang genutzt haben:
- ein verbessertes Befestigungssystem, um das Zelt optimal und sicher im Boden zu verankern
- gerade, glatte Wände, so dass es im Inneren 20 Prozent mehr Platz gibt
- dreilagige Fenster, bestehend aus einem Moskitonetz, einem transparenten Laken und einer Verdunklungsplane. So können Licht und Luft im Zelt gut reguliert werden
Darüber hinaus gibt es einige Extras, die je nach Bedarf am Einsatzort hinzugefügt werden können:
- einen Bausatz für eine Solar- und eine Elektroanlage. So kann das Zelt zum Beispiel nachts beleuchtet werden
- eine zusätzliche Winterplane für den Einsatz in kaltem Klima
- einen festen Boden. So bleibt der Innenraum sauber, die Kinder müssen nicht direkt auf der Erde sitzen
- eine weiche Bodenplane, auf der Mädchen und Jungen gemütlich spielen können, wenn das Zelt als Kinderzentrum genutzt wird
In unserer Bildgalerie sehen Sie den Aufbau und die Ausstattung eines UNICEF-Nothilfe-Zelts in Gaza, das als Krankenstation dient:

Bild 1 von 4 | Leicht verpackt und einfach zu transportieren: Die Nothilfe-Zelte von UNICEF sind in etwa 1,5 Stunden aufgebaut. Wie hier in Gaza packen Helfer*innen gerne mit an. Denn sie wissen, dass diese Zelte ein Ort des Ankommens und der Hilfe sein wird.
© UNICEF/UNI774843/Eleyan
Bild 2 von 4 | Wegen schwerer Angriffe wurden im Gazastreifen seit 2023 Krankenhäuser, Schul- und Wohngebäude vollständig zerstört. In diesem Nothilfe-Zelt wird in Khan Yunis eine Krankenstation eingerichtet. UNICEF sorgt zum Beispiel auch für medizinische Ausstattung und Medikamente. Auf dem nächsten Bild sehen Sie das fertige Zelt.
© UNICEF/UNI775040/Eleyan
Bild 3 von 4 | Fertig! Das Zelt steht. In Zukunft werden dort Kinder und ihre Familie mit dem Nötigsten versorgt. Die Gesundheitsversorgung ist während des Krieges in Gaza weitestgehend zusammengebrochen. Gesundheitsstationen wie diese sind eine wichtige Hilfe für die Menschen dort. Die Krankenstation in unserem Nothilfe-Zelt ist mit medizinischen Geräten ausgestattet. Das sehen Sie auf dem nächsten Bild.
© UNICEF/UNI775173/Eleyan
Bild 4 von 4 | Das Nothilfe-Zelt ist vollständig mit dem Nötigsten ausgestattet. Krankenbetten, Infusionsständer und medizinische Geräte ermöglichen den Fachkräften verletzten und kranken Kindern in Khan Yunis, Gaza sofort zu helfen.
© UNICEF/UNI775223/Eleyan
Das sagen Kinder und Helfer*innen
"Die neuen Zelte lassen sich viel einfacher aufbauen. Sie lassen sich auch besser transportieren, denn sie sind leichter", sagt Leah Tacsan, UNICEF-Mitarbeiterin auf den Philippinen. "Aber vor allem bieten sie den Kindern einen besseren Ort zum Lernen. Wenn sie sich hier wohlfühlen, können sie sich auch leichter von ihren Erlebnissen in Konflikten oder nach Naturkatastrophen erholen."

"Ich bin vom Norden in den Süden vertrieben worden. Für mich ist Schule sehr wichtig, ich kann lesen und schreiben." In den Nothilfe-Zelten werden unter anderem Klassenzimmer eingerichtet. Für im Krieg aufwachsende Kinder wie Laith (10) aus Gaza sind diese Zelte mehr als ein Ort des Lernens – sie sorgen für Stabilität.
© UNICEF/UNI669107/Nateel- Es gibt sie in drei Größen: 24, 48 und 72 m²
- Sie halten Wind bis zu 80 km/h stand
- Es dauert nur 90 Minuten, bis ein Zelt aufgebaut ist
- Die Aufbauanleitungen gibt es in drei Sprachen (Englisch, Französisch und Arabisch)
- Die Fenster bestehen aus drei Lagen
Und der nächste Schritt?
Wir von UNICEF sind davon überzeugt, dass die Hochleistungs-Zelte die weltweite Nothilfe entscheidend voranbringen. Kinder weltweit sollen von den neuen Zelten profitieren! Sie bieten eine hohe Qualität und sind speziell auf die Bedürfnisse der Kinder und Helfer*innen vor Ort eingestellt. Ein solches Produkt zu entwickeln war nur möglich durch die enge Zusammenarbeit mit privaten Partnern.
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Laura Sandgathe ist Online-Redakteurin und Chefin vom Dienst. Sie bloggt über die UNICEF-Arbeit weltweit – über Kinder, Helfer*innen und die Projekte, in denen sie einander treffen.