
Erdnusspaste: kleine Päckchen mit großer Wirkung
Seit 30 Jahren hilft Erdnusspaste weltweit, damit mangelernährte Kinder wieder zu Kräften kommen und die Chance auf eine gesunde Zukunft haben. UNICEF verteilt die Spezialnahrung, die auch als „Plumpy Nut“ bekannt ist, in Krisenregionen, Katastrophengebieten und überall dort, wo der Hunger besonders groß ist. Aber was macht die Erdnusspaste so besonders im Kampf gegen den Hunger?
Erdnusspaste: Eine Revolution im Kampf gegen den Hunger
Wenn ein Kind lebensbedrohlich mangelernährt ist, braucht es schnelle, wirksame Hilfe. Wir von UNICEF setzen deshalb auf eine kleine Nuss mit großer Wirkung: Dafür werden Erdnüsse mit Milchpulver, Öl, Zucker, Vitaminen und Mineralstoffen zu einer nahrhaften Paste verarbeitet, die geschwächten Kindern schnell neue Kraft gibt. Als die Erdnusspaste Anfang der 2000er-Jahre von einem französischen Ernährungswissenschaftler entwickelt wurde, war sie eine Revolution im Kampf gegen weltweite Hungerkrisen. Heute setzen wir die Erdnusspaste in mehr als 60 Ländern auf der ganzen Welt ein.
Was bedeutet RUTF?
RUTF ist die Abkürzung für "Ready-to-Use Therapeutic Food" (auf Deutsch: gebrauchsfertige therapeutische Nahrung oder therapeutische Fertignahrung). Hilfsorganisationen wie UNICEF verwenden solche Spezialnahrung zur Behandlung von schwerer akuter Mangelernährung bei Kindern. Die hochkalorische, nährstoffreiche Erdnusspaste ist eines der bekanntesten Beispiele für RUTF. Sie muss nicht gekühlt oder vor dem Verzehr zubereitet werden, sondern kann direkt aus dem Päckchen gegessen werden – ist also jederzeit „ready to use“.
- Ein Päckchen "Plumpy Nut" (Erdnusspaste) hat 500 Kalorien.
- Die Erdnusspaste enthält Erdnüsse, Öl, Milchpulver, Zucker, Vitamine A, C, D, E, B1, B2, B6, B12, wichtige Spurenelemente wie Kalzium, Magnesium, Zink, Eisen, Jod, Folsäure
- Drei Päckchen täglich über sechs bis acht Wochen braucht ein mangelernährtes Kind, um wieder zu Kräften zu kommen.
- UNICEF ist weltweiter Hauptlieferant der Erdnusspaste.
- Die Erdnusspaste ist lange haltbar, auch ungekühlt.
- UNICEF setzt die Erdnusspaste mittlerweile in mehr als 60 Ländern ein.
Wie wirkt die Erdnusspaste bei Mangelernährung?
Erdnusspaste ist eines der besten und wirksamsten Mittel, um einem schwer akut mangelernährten Kind das Leben zu retten. Sie enthält alle Nährstoffe, die ein Kind braucht: Kohlenhydrate und gesunde Fette, Vitamine und Proteine. Von Mangelernährung betroffene Kinder bekommen die Erdnusspaste dreimal am Tag. Vielen sieht man schon nach wenigen Tagen der Behandlung an, dass es ihnen besser geht. Ihr ausgezehrter, unterversorgter Körper erholt sich, sie nehmen schnell an Gewicht zu und haben neue Energie.
Warum schwere Mangelernährung so gefährlich ist
Auch im 21. Jahrhundert ist der Hunger noch nicht besiegt. Weltweit sind 43 Millionen Kinder unter fünf Jahren akut von Mangelernährung betroffen – einige von ihnen so schwer, dass sie in Lebensgefahr schweben. Mangelernährung wird verursacht durch einen entweder akuten oder chronischen Mangel an Nahrung, aber auch an Vitaminen und lebenswichtigen Spurenelementen. Sie kann also auch auftreten, wenn ein Kind zwar regelmäßig, aber nicht ausgewogen ernährt wird.
Hält dieser Zustand über einen längeren Zeitraum an, kann das für das Kind lebensbedrohlich werden. Sein geschwächter Körper ist anfällig für Krankheiten wie Durchfall, Lungenentzündung oder Malaria. So entsteht ein Teufelskreis, weil die Krankheiten das Kind weiter schwächen und zusammen mit der Mangelernährung zum Tod führen können.
Auch bleibende Schäden sind möglich, denn chronische Mangelernährung beeinträchtigt die geistige und körperliche Entwicklung eines Kindes.

Bild 1 von 3 | Die neun Monate alte Tema in Madagaskar ist mangelernährt und leidet an Durchfall und Fieber. Im Gesundheitszentrum in der Region Amboasary Atsimo in Madagaskar bekommt Tema Erdnusspaste. Wenn Tema sie gut verträgt, bekommt ihre Mutter Erdnusspaste für Zuhause, und Tema kann ambulant weiterbehandelt werden.
© UNICEF/UNI949652/Andrianantenaina
Bild 2 von 3 | Erdnusspaste ist leicht zu dosieren, sofort verzehrfertig und muss nicht gekühlt werden. UNICEF kann die Spezialnahrung schnell und in großen Mengen in die Gebiete bringen, in denen mangelernährte Kinder dringend Hilfe brauchen.
© UNICEF/UNI769050/Andrianantenaina
Bild 3 von 3 | Jede Woche bringt diese Mutter ihre mangelernährte Tochter ins Gesundheitszentrum Hayal Arab im Sudan, damit sie untersucht und gewogen wird. Das kleine Mädchen bekommt Erdnusspaste gegen Mangelernährung und, wenn nötig, eine weitere medizinische Behandlung, etwa durch die wichtigsten Impfungen.
© UNICEF/UNI607341/Ahmed
Warum eignet sich Erdnusspaste so gut für die Hilfe in Krisengebieten?
- Die Erdnusspaste „Plumpy Nut“ ist gebrauchsfertig und muss nicht mit Wasser angemischt werden. Das ist sehr wichtig, denn viele betroffene Familien haben kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung, und schmutziges Wasser enthält oft gefährliche Krankheitserreger.
- Die Erdnusspaste muss nicht gekühlt werden und ist lange haltbar, auch bei hohen Temperaturen. In Ländern mit heißerem Klima muss sie lediglich vor dem Verzehr länger geknetet werden, worauf die UNICEF-Helferinnen und -Helfer die Eltern aufmerksam machen.
- „Plumpy Nut“ macht es möglich, dass Eltern ihre mangelernährten Kinder zuhause behandeln können und die Kinder nicht in einem Krankenhaus stationär aufgenommen werden müssen. Die UNICEF-Teams geben den Eltern jeweils eine Wochenration Erdnusspaste für zuhause mit.
- Die Erdnusspaste ist weich und fertig in Beuteln portioniert. So können auch sehr kleine Kinder oder Kinder, die Schwierigkeiten beim Schlucken haben, die Spezialnahrung leicht essen.
Wie kommt die Erdnusspaste zu den Kindern?
UNICEF ist heute der weltweit größte Beschaffer und Lieferant von Erdnusspaste zur Behandlung schwer mangelernährter Kinder. Damit die lebensrettende Nahrung schnell und sicher bei den Kindern ankommt, arbeitet UNICEF mit zahlreichen lokalen Herstellern zusammen.
Lange wurde Erdnusspaste in erster Linie in einer Fabrik in Frankreich hergestellt. Um die Transportkosten zu senken und die schnelle Verfügbarkeit in Notsituationen in Afrika und Asien zu sichern, gibt es heute mehrere lokale Fabriken auf dem afrikanischen Kontinent und in Indien. Die Produktion vor Ort verkürzt Transportwege, senkt Kosten und stärkt zugleich die lokale Wirtschaft, weil viele Rohstoffe von Bauern und Händlern aus der Region stammen.
Die Lieferketten werden regelmäßig geprüft – von den Rohstoffen bis zum fertigen Produkt. Das Personal in den Fabriken geht bei der Produktion der Erdnusspaste sehr sorgfältig vor. Schutzkleidung etwa ist jederzeit Pflicht. Und bevor die Erdnusspaste ausgeliefert wird, durchläuft jede Charge einen Qualitätscheck im fabrikeigenen Labor.
Vor Ort in den betroffenen Regionen werden die Kinder zunächst untersucht. Wird eine Mangelernährung festgestellt, startet sofort die Behandlung mit Erdnusspaste. Wenn es dem Kind besonders schlecht geht, bleibt es dafür im Krankenhaus oder der Gesundheitsstation. Sobald es ihm besser geht, erhalten die Familien die Erdnusspaste für die Behandlung zuhause. Jede Woche wird ambulant kontrolliert, ob das Kind zunimmt und sich erholt. Die Päckchen gelangen über Gesundheitsstationen, Ernährungszentren und Krankenhäuser zu den Familien – in abgelegene Regionen auch per Motorrad, Boot oder Helikopter. So kann die Behandlung rechtzeitig beginnen und Leben retten.
Was kostet die Therapie mit Erdnusspaste für ein Kind?
Die Erdnusspaste ist eine einfache, aber äußerst wirksame Hilfe: Ein Päckchen kostet nur 29 Cent. Für die Behandlung eines schwer mangelernährten Kindes werden über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen täglich etwa drei Päckchen benötigt. Insgesamt sind also rund 150 Päckchen nötig. Somit bekommt ein Kind mit etwa 44 Euro eine komplette Therapie und die Chance, wieder vollständig gesund zu werden.

Bild 1 von 2 | Ein schwer mangelernährter Junge isst seine Ration Erdnusspaste im Krankenhaus Kaduguli in der sudanesischen Provinz Südkordofan. Zehntausende Kinder in dieser Region sind mangelernährt, bei vielen von ihnen ist der Zustand lebensbedrohlich.
© UNICEF/UNI857172/UNICEF
Bild 2 von 2 | In einem Gesundheitszentrum in Madagaskar werden mangelernährte Kinder einmal in der Woche untersucht und gewogen. Anschließend bekommen ihre Eltern eine Wochenration Erdnusspaste – wie dieser Vater, der die therapeutische Nahrung für seinen vier Jahre alten Sohn abholt.
© UNICEF/UNI839373/Andrianantenaina
Häufige Fragen und Antworten zur Erdnusspaste “Plumpy Nut”
Handelsübliche Erdnussbutter ist ein Lebensmittel für den alltäglichen Verzehr und enthält je nach Produkt vor allem Erdnüsse, Salz, Zucker, Öl oder Stabilisatoren. Die von UNICEF eingesetzte therapeutische Erdnusspaste ist dagegen ein medizinisch entwickeltes Spezialnahrungsmittel gegen schwere Mangelernährung bei Kindern. Sie enthält neben Erdnüssen genau abgestimmte Mengen an Milchpulver, Fetten, Zucker, Vitaminen und Mineralstoffen.
Therapeutische Erdnusspaste hilft gegen schwere Mangelernährung, weil sie Energie, Eiweiß, Fett, Zucker sowie lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe in abgestimmter Menge liefert – also genau das, was ein stark geschwächter Kinderkörper zum Zunehmen, zum Aufbau von Gewebe und zur Stabilisierung des Immunsystems braucht.
Nein, UNICEF stellt diese Erdnusspaste nicht selbst her. UNICEF kauft jedoch einen Großteil der Bestände und liefert die Paste weltweit dorthin, wo die Kinder sie dringend brauchen.
Ja, Erdnusspaste ist eine Notfallnahrung in dem Sinne, dass sie schnell und effizient überall dort eingesetzt werden kann, wo hungernde Kinder Hilfe brauchen. Als Spezialnahrung bei akuter Mangelernährung eignet sie sich besonders für Kinder in Krisen- und Hungerregionen.
Sie ist nicht einfach „Essen für den Notfall“ wie ein Müsliriegel, sondern ein medizinisch abgestimmtes Fertigprodukt.